Kriterien Baurechtsspezialist

Kriterienkatalog des Netzwerk Bauanwälte für die Bezeichnung „Baurechtsspezialist“

(1) Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht als Grundvoraussetzung
Ein Baurechtsspezialist ist aus Sicht des Netzwerk Bauanwälte ein Anwalt, dessen Qualifikation im Hinblick auf theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrung höhere Anforderungen erfüllt, als an einen Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht zu stellen sind. Daher ist das Führen der Fachanwaltsbezeichnung Grundvoraussetzung. Allerdings muss ein Fachanwalt seine Nachweise zur Erlangung seines Titels nur einmal zwecks Verleihung des Titels erbringen und danach nur jährliche Fortbildungsveranstaltungen nachweisen. Darüber hinaus ist es einem Anwalt gestattet, parallel auf drei verschiedenen Gebieten einen Fachanwaltstitel zu führen (mittlerweile gibt es 20 verschiedene Fachanwaltschaften und es sind in Deutschland fast 42.000 Fachanwaltstitel verliehen worden, davon fast 2.200 im Bau- und Architektenrecht). Ein Baurechtsspezialist im Sinne des Netzwerk Bauanwälte kann und darf demgegenüber nicht derartig breit angelegt und vielfältig tätig sein.

(2) Darüber hinausgehende einschlägige Berufserfahrung (500 Fälle in den letzten sieben Jahren):
Während es für den Erwerb des Fachanwaltstitels ausreicht, aus den letzten drei Jahren 80 Mandate nachzuweisen, davon 40 gerichtliche Fälle, muss ein Spezialist erheblich mehr Berufserfahrung mitbringen, so dass zum einen der Zeitraum für diese Erfahrung erweitert wird auf sieben Jahre, zum anderen innerhalb dieses Zeitraumes 500 Fälle bearbeitet worden sein müssen.

(3) Anteil der baurechtlichen Mandate (mindestens 90 %):
Ferner ist nur derjenige Spezialist, der sich auch permanent schwerpunktmäßig mit dem Rechtsgebiet des Baurechts befasst, wobei sämtliche Teilbereiche des Rechtsgebiets hierunter fallen, die Grenze wird bei mindestens 90 % der Tätigkeit angesetzt.

Nach diesem Verständnis zählen zum Baurecht im weiteren Sinne:

das eigentliche Baurecht (Werklohn, Mängel, Vertragsgestaltung),
das Bauträgerrecht,
das Architektenrecht,
das Vergaberecht,
das öffentliche Baurecht,
das WEG-Recht, allerdings beschränkt auf Errichtung und Instandhaltung, also
nicht Wohngeld oder dergleichen.

(4) Fachliteratur erforderlich
Der Baurechtspezialist verfügt über eine umfangreiche Bibliothek (gedruckt oder online), mit welcher er Rechtsprechung und Literatur zu sämtlichen baurechtlichen Themen abdeckt, um so fundierten und umfassenden Rechtsrat kurzfristig erteilen zu können. Hierzu gehören neben Onlinedatenbanken (wie Z. B. IBR online, Beck online, Werner Verlag online oder juris) Standardkommentare und Monographien insbesondere zum BGB-Werkvertragsrecht, zur VOB/B, zur HOAI, zum Vergaberecht, zum öffentlichen Bau- und Planungsrecht und zum Bauträgerrecht, zu baubetriebswirtschaftlichen Fragen (Nachträge) sowie zur Bautechnik.

(5) Nachgewiesene theoretische Kenntnisse
Der Baurechtsspezialist muß eine nennenswerte wissenschaftliche Tätigkeit nachweisen können. Diese kann bestehen in seinen Publikationen als Beitrag zur Forschung (Kommentierungen oder Aufsätze oder Monographien) und in Vortrags- und Lehrtätigkeiten, wobei nicht nur Vorträge vor Juristen, sondern auch solche vor Architekten, Sachverständigen, Ingenieuren, Investoren, der öffentlichen Verwaltung und Bauleitern als praktischen Anwendern des Baurechts maßgeblich sind.

(6)Regelmäßige  Fortbildung:
Außerdem muss sich der Baurechtspezialist in besonderer Weise vom allgemeinen
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht unterscheiden durch den Umfang seiner Fortbildung. Die Verpflichtung eines Fachanwalts für Bau- und Architektenrecht ist es, pro Jahr 10 Stunden Fortbildung nachzuweisen. Demgegenüber muss ein Baurechtsspezialist mindestens 30 Stunden pro Jahr an Fortbildung nachweisen. Diese kann nicht nur darin bestehen, an Veranstaltungen teilzunehmen, sondern auch durch aktive Tätigkeit in Form von Vorträgen und Lehraufträgen erbracht werden, wobei sowohl Vorträge vor Juristen, wie auch vor den Personengruppen der Ziffer 5 maßgeblich sind.

Baurechtsspezialisten, die sich im Rahmen des vorgenannten Spektrums des Baurechts nochmals schwerpunktmäßig auf einem Teilbereich betätigen, können dies nach dieser Definition auch kenntlich machen, zum Beispiel HOAI-Spezialist, Architektenrechtsspezialist, Vergaberechtsspezialist.

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